Archiv 2005 Aktion Grundgesetz mischt sich in Diskussion um Sozialreformen ein
Zukunft gestalten mit dem Lokalen Teilhabeplan
Ob in Berlin, Dresden, Bremen, Hannover, Kiel, Bergisch-Gladbach, Kassel, Frankfurt, Mainz, Aalen, Biberach, Nürnberg oder München - in zahlreichen Städten und Gemeinden regten Menschen mit und ohne Behinderungen die Entwicklung Lokaler Teilhabepläne an. Hintergrund: In ihrem unmittelbaren Umfeld stoßen Menschen mit Behinderungen in der Regel am häufigsten auf Barrieren. Daher werden sie, aber auch Einrichtungen, Vereine, Wirtschaft, Medien und Politik ab sofort gefragt: Wer tut eigentlich was, um Menschen mit Behinderungen Teilhabe zu ermöglichen? Was fehlt konkret? "Herauskommen soll", so Heike Zirden, Pressesprecherin der Aktion Mensch, "ein gemeinsamer Plan, wie sich die Kommunen in den nächsten Jahren verändern sollen, damit Menschen mit Behinderungen ohne Barrieren am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können."
Erste Früchte trägt die Initiative beispielsweise in Kassel. "Die Friedhofsverwaltung hat sich bereits gemeldet und für dieses Jahr den Umbau des Verwaltungsgebäudes angekündigt", so Ottmar Miles-Paul, einer der Kasseler Koordinatoren. "Unser Schreiben mit dem Fragebogen für einen lokalen Teilhabeplan wandert bereits durch die Verwaltung und die Stadt. Gestern rief die Stadtbibliothek bei uns an, heute die Feuerwehr und vorgestern erreichte uns bereits schon der erste beantwortete Fragebogen." Bundesweit haben über 130 Initiativen die Informationen über lokale Teilhabepläne angefordert und angekündigt, diese Initiative voran zu treiben.
Unterstützt wird die Initiative auch aus dem politischen Raum: Mit dem Lokalen Teilhabeplan werde "die Frage nach der jetzigen und der zukünftigen Lebenssituation behinderter Menschen auf die Tagesordnung der öffentlichen und politischen Diskussion in den Kommunen gesetzt", so der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Karl Hermann Haack. Das hält er "für einen sehr gelungenen und Erfolg versprechenden Ansatz". Denn Teilhabe und Gleichstellung behinderter Menschen könnten nur von den Betroffenen und mit den Betroffenen gemeinsam entwickelt und gestaltet werden.
Schleswig-Holsteins Sozialministerin Dr. Gitta Trauernicht appellierte "an alle kommunalpolitisch Verantwortlichen, in ihren Städten und Gemeinden Teilhabepläne gemeinsam mit den Menschen mit Behinderung, der Wirtschaft und anderen Organisationen zu entwickeln." Von diesen Plänen profitierten viele Bereiche - zum Beispiel auch die wachsende Gruppe der älteren Seniorinnen und Senioren sowie der barrierefreie Tourismus als Wirtschaftsfaktor.
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