Archiv 2004 Wie reformiert man Solidarität, Verantwortung und Gerechtigkeit?
Rund 600 Politiker, Prominente aus Wirtschaft und Kultur sowie Menschen mit Behinderungen setzten am 5. Mai 2004 unter dem Motto "Was ist sozial?" das neun mal sechs Meter große Puzzle "Soziale Landschaften" am Brandenburger Tor in Berlin zusammen. Es besteht aus einer Landkarte mit den Umrissen Deutschlands, auf der die Namen von Städten, Flüssen und Gebirgen durch Begriffe wie "Arbeit", "Bürger", "Gerechtigkeit", "Solidarität" und "Verantwortung" ersetzt wurden. "Eine passgenaue Aktion am richtigen Platz zum richtigen Anlass, um Politiker und Menschen mit Behinderungen miteinander ins Gespräch zu bringen", so Dr. Antje Vollmer, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, vor Ort. Weitere prominente Akteure in Berlin waren unter anderem: Dr. Hermann Otto Solms, Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, Karl-Hermann Haack, MdB und Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, MdB und Sprecher der Initiativgruppe "Schutz menschlichen Lebens" in der CDU/CSU-Fraktion, Helga Kühn-Mengel, MdB und Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller, MdB und gesundheitspolitischer Sprecher der CSU-Landesgruppe. Der CSU-Politiker zu dieser Aktion: "Ich habe mir diese Karte angeschaut und Begriffe wie ‚Verantwortung' oder ‚Meer der Möglichkeiten' haben mich nachdenklich gestimmt. Denn diese Worte verdeutlichen, dass es in der Debatte um die Sozialreformen um weit mehr als rein wirtschaftliche Aspekte geht."
Auftakt der Kampagne
Die Aktionen bildeten den Auftakt zu einer Kampagne, an der sich mehr als 60 bundesweit arbeitende Wohlfahrts- Sozial-, Eltern- und Selbsthilfeorganisationen beteiligten. Sie werden die Reformdiskussion kritisch begleiten und auf die konkreten Auswirkungen für Menschen mit Behinderungen aufmerksam machen. Außerdem wollen die Organisationen eigene Vorschläge für die Weiterentwicklung der sozialen Systeme, mehr Eigenverantwortung der Betroffenen, Entbürokratisierung sowie Impulse für die Zivilgesellschaft einbringen. Die Verbände sind der Auffassung, dass das "Soziale" in Deutschland von denen mitgestaltet werden muss, die auf dessen Zukunftsfähigkeit angewiesen sind. Menschen mit Behinderungen und ihre Verbände wollen und werden sich an dem notwendigen Reformprozess mit ihrer Kompetenz, ihrer Kreativität und ihrer Erfahrung beteiligen, so die Initiatoren. Diesen Ansatz befürwortete Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt heute am Brandenburger Tor ausdrücklich: "Die anstehenden Reformen können nur gelingen, wenn alle an einem Strang ziehen."
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