Husum (fu). „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“, heißt es im Grundgesetz. Die Wirklichkeit sieht allerdings anders aus. Deshalb soll – wie überall im Bundesgebiet – auch in Husum für ein Gleichstellungsgesetz getrommelt werden, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Am Sonnabend, 12. Mai, Punkt „Fünf vor zwölf“, sind alle Bürger eingeladen, auf dem Husumer Marktplatz fünf Minuten lang mit alten Kochtöpfen, Eimern oder Schlaginstrumenten der Forderung lautstark Nachdruck zu verleihen.
Der Aktionstag in der Strom-Stadt beginnt bereits um 10.30 Uhr. Dann werden sich die Weltmeister vom Spielmannszug und Jugendblasorchester Rödemis in ihren neuen Uniformen vorstellen. Der allgemeine Trommelwirbel um 11:55 Uhr kündigt gleichsam eine große Kundgebung an mit dem Motto „Gleichstellung jetzt!“ Redner ist Husums Bürgervorsteher Peter Empen, der das wichtige Thema aus Sicht der Stadt beleuchten will. Unter dem Slogan „Wir machen Ihnen die Gleichstellung schmackhaft...“ – verteilt werden Apfel mit kleinen Gleichstellungs-Aufklebern- gibt es auf dem Marktplatz von 10 bis 16 Uhr Aktionen, Informationen, Spiel und Spaß. Mit von der Partie sind verschiedene Behinderten-Organisationen und –Institutionen sowie Fachfirmen.
Die nordfriesische Veranstaltung ist Teil bundesweiter Protestaktionen der „Aktion Mensch“ sowie mehr als 100 weiterer Organisationen der Behindertenhilfe und –selbsthilfe zum „Europäischen Protesttag zur Gleichstellung behinderter Menschen“, Weil der Husumer Marktplatz an diesem Tag (5. Mai) jedoch mit der Bunten Meile zum 25 DRK-Geburtstag belegt war, wird in der Kreisstadt nun eine Woche später für das Gleichstellungsgesetz geworben. Dieses hatte die Bundesregierung nach Aussagen von Hans Böttcher 1998 zugesagt, ihr Versprechen aber bis heute nicht eingelöst. Analog zum Anti-Diskriminierungsgesetz in den USA, soll das Gleichstellungsgesetz einklagbare Rechte für Behinderte bringen. Wir sind noch nicht so weit, aber wir kämpfen dafür“, so Böttcher. Denn noch immer gibt es beispielsweise öffentliche Einrichtungen, die nur über Treppen zu erreichen sind, oder mit öffentlichen Geldern geförderte Häuser ohne Fahrstuhl und Toiletten im ersten Stock. Allerdings geht es dem Vertreter des Sozialverbandes und seinen Mitstreitern nicht nur darum, bauliche Hindernisse einzureißen, sondern auch „Barrieren im Kopf“.
Quelle: Sylter Rundschau
Datum: 08.05.01





