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Der Countdown läuft

Podiumsmitglieder der Pressekonferenz

Pressekonferenz zum Europäischen Protesttag der Behinderten

Die Aktion Mensch und der Berliner Behindertenbeauftragte hatten am 4. Mai ins Rote Rathaus geladen. Prominente Aktivisten der Behindertenbewegung trugen vor, was erreicht ist und was noch aussteht. Die angesprochenen Probleme reichten von baulichen bzw. kommunikativen Barrieren über die Herausforderungen der Gentechnologie bis zu jener sensiblen Angelegenheit, dass das künftige Holocaust-Denkmal auch für Rollifahrer zugänglich sein sollte. Das Thema Gleichstellungsgesetz zog sich durch alle Beiträge.

Im Anschluss wurde ein rollstuhlgerechtes Infomobil enthüllt. Als es galt, das rote Tuch von diesem Bus zu entfernen, machten sogar Vertreter von Politik und Presse mit. So symbolisierten sie ihren Willen, an einem Strang zu ziehen, wenn es um die Rechte von Menschen mit Behinderung geht.
Die erste Fahrt des Infomobil führte zur Tiergartenstrasse 4. Von hier ging die berüchtigte Aktion T4 der Nazis aus. Vor einer in den Boden eingelassenen Metalltafel nahe der Philharmonie gedachten die Teilnehmer an der Pressekonferenz schweigend der Behinderten, die in Anstalten ermordet wurden.
Gelbgrün ist die Farbe der Aktion Grundgesetz, die von er Aktion Mensch initiiert wurde. Gelbgrün ist deshalb auch der neue Bus, der im Rahmen der Aktion Grundgesetz von Behindertenorganisationen genutzt werden kann. Bis zum 6. Juli wird er allerdings erst mal im Regierungsviertel Aufklärungs- und Lobbyarbeit leisten. 700 hölzerne Minibusse aus der Behindertenwerkstatt Westfalenfleiß sollen dabei als Denkanstoß an die Abgeordneten übergeben werden.
Übrigens zeigt eindeutlich sichtbares digitales Zählwerk am Heck des Infomobil die Tage an, die der rot-grünen Regierung noch bleiben bis zur Verabschiedung des für dieses Jahr versprochenen Gleichstellungsgesetztes.
Auch auf der MOVADO-Website steht mittlerweile so ein Countdown-Zähler. Denn auch wir lass uns nicht einfach „was erzählen“: Wir zählen jetzt mit. Am 4. Mai hatte die Regierung noch 225 Tage, um zu zeigen, dass ihr Versprechen nicht nur ein Versprecher war.

Quelle: Berlin Konkret
Text: Jean Auber
Datum: 6/2001

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