„Wir hoffen jetzt auf Taten“
Bremer Protesttag gegen die Diskriminierung behinderter Menschen
Bremen. „Die Diskussion war gut, jetzt hoffen wir auf Taten“, bekräftigt der blinde Jürgen Färer, Beisitzer in der Landesarbeitsgemeinschaft Behinderter, unter dem Beifall von knapp 300 Menschen. Protesttag gegen die Diskriminierung behinderter Menschen ist gestern angesagt.
Im Rollstuhl, mit Blindenstock, mit und ohne Hilfe haben sich Behinderte, Freunde, Angehörige und Betreuer auf den Weg gemacht, um am 9. Bremer Protesttag teilzunehmen. Das Motto diesmal: „Behinderte machen einen prima Job“. In der Diskussion in der Friedensgemeinde unterstreicht der Arbeitskreis Bremer Protest seine Forderung nach 500 neuen Arbeitsplätzen für Behinderte in Bremen bis zum Jahr 2002. Die Arbeitslosigkeit Schwerbehinderter sei viel zu hoch, habe mit zurzeit bundesweit 190 000 arbeitslosen Schwerbehinderten einen überdurchschnittlich hohen Stand erreicht. Ein im Herbst 2000 in Kraft getretenes Gesetz solle Abhilfe schaffen. In Bremen seien gegenwärtig mehr als 1700 Menschen mit Schwerbehinderung offiziell arbeitslos gemeldet, keiner kenne jedoch die genaue Zahl, so der Arbeitskreis. So seien 300 Beschäftigte des Eigenbetriebes Werkstatt Bremen (Martinshof) hinzuzurechnen, die in der offiziellen Statistik nicht geführt würden. Daneben hätten sich viele arbeitslose Schwerbehinderte nach Jahren der immer wiederkehrenden Absagen enttäuscht zurückgezogen. Der Arbeitskreis kritisiert, dass Arbeitgeber immer noch Vorurteile gegen Behinderte hätten, sie als unmotiviert und nicht leistungsfähig ansähen. „Mit diesen Vorurteilen muss aufgeräumt werden“, wird gestern immer wieder betont – in der Diskussion, auf der Kundgebung, im Behindertenparlament, das am Nachmittag in der Bürgerschaft tagt. „Behinderte machen einen prima Job“, heißt es plakativ und „500 neue Arbeitsplätze für Behinderte in Bremen bis 2002“. Von der Friedensgemeinde ziehen die Demonstranten bei schönstem Sonnenschein durch Viertel bis zum Marktplatz. In der Kundgebung hagelt’s auch Kritik an den Medien, die sich lieber für Boris Becker und die Wäschekammer interessierten, als für die Probleme Behinderter, Andreas Focke, Werstatt-Sprecher aus dem Buntentor, fordert Bremen auf, eine Vorreiterrolle zu übernehmen. „Vorrang für Behinderte bei der Arbeit, damit Lust statt Frust aufkommt“, betont er. Und: „Die Politiker sollen nicht nur nachdenken, sondern auch handeln.“ Locker und gekonnt spannt Rollifahrerin Lisa Nagel vom Arbeitskreis Bremer Protest den Bogen zwischen den Rednern. Jürgen Färber übt heftige Kritik an der Streichung des Landespflegegeldes. Behinderte hätten nun mal mit zusätzlichen Ausgaben zu kämpfen, und laut Gesetz dürften sie doch wegen ihrer Behinderung nicht benachteiligt werden. Am 9. Juni wird in Bremen noch mal speziell gegen die Streichung des Geldes demonstriert.
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