Blaues Kamel protestiert?
Am kommenden Samstag findet der europäische Protesttag behinderter Mensch für Gleichstellung und gegen Ausgrenzung und Diskriminierung statt. Manfred Schmidt (65) ist Vorsitzender des Landesarbeitsgemeinschaft „Hilfe für behinderte Menschen“ in Berlin.
Was ist das Motto für den Protesttag?
Das diesjährige Motto lautet „Gleichstellung jetzt und in allen Lebenslagen“
Und was ist das Hauptthema in Berlin?
In diesem Jahr geht es um die Behindertengerechtigkeit der Deutschen Bahn oder besser gesagt um die Nichtbehindertengerechtigkeit.
Wo liegen Ihre Kritikpunkte?
Wir kritisieren zum Beispiel, dass in den ICE, IC und Interregie-Zügen nur ein einziger Rollstuhlfahrer mitgenommen werden kann. Es sind einfach nicht mehr Plätze da. Zwei oder mehr Rollstuhlfahrer können daher nicht gemeinsam reisen. Zudem sind in diesen Zügen die Toiletten nicht behindertengerecht; so dass diese kaum genutzt werden können. Auch kritisieren wir, dass 170 Wagen, die die Deutsche Bahn von der Reichsbahn übernommen hat und die rollstuhlgerecht waren, ausrangiert werden, In denen hätten auch Gruppen von Rollstuhlfahrern reisen können. Wir bemängeln außerdem. Dass viele Bahnhöfe für Rollstuhlfahrern nicht zugänglich sind.
Auch Blinden, Sehbehinderten und Gehörlosen wird das Bahnfahren schwer gemacht.
Genau, die Ansagen vor allem auf den Bahnhöfen und in einigen Zügen erfolgen nicht kontinuierlich, so dass Blinde und Sehbehinderte oft eine schlechte Orientierung haben. Außerdem verlangen wir von der Deutschen Bahn, dass sie in besonderen Situationen Möglichkeiten findet, gehörlosen und schwerhörigen Menschen Informationen zu übermitteln, die nur über Lautsprecher kommen.
Denken sie, dass die Deutsche Bahn auf Ihre Forderungen eingeht?
Sie muss zumindest eine Antwort geben. Damit rechnen wir.
Was macht die Landesarbeitsgemeinschaft „Hilfe für behinderte Menschen“ konkret, um deren Lebenssituation zu verbessern?
Wir sind ein Dachverband, der Berliner Selbsthilfeverein behinderter und chronisch kranker Menschen. Wir haben uns die Interessenvertretung der behinderten und chronisch kranken Menschen zum Ziel gesetzt. Und das sowohl gegenüber der Politik; gegenüber dem Senat und dergleichen mehr.
Und wer organisiert den Protesttag auf dem Alexanderplatz in Berlin?
Den Protesttag organisiert in diesem Jahr das Blaue Kamel in Gemeinschaft mit der Landesarbeitsgemeinschaft „Hilfe für behinderte Menschen“ Berlin und der Arbeitsgruppe der Berliner Behindertenverbände und Initiativen.
Das Blaue Kamel – was ist denn das?
Das Blaue Kamel ist ein Aktionsbündnis von über 60 Organisationen und Einrichtungen für Behinderte. Dazu gehören Werkstätten, aber auch Vereine und Verbände wie die Lebenshilfe und viele andere mehr.
In welchen deutschen Städten findet der europäische Protesttag statt?
In vielen Städten. Ich weiß, dass in München eine große
Aktion startet. Es wird in Bremen etwas geben, in Magdeburg, in Hamburg, in Kassel, sicherlich auch in Hannover.
Fragen: Larissa Schulz-Trieglaff
Quelle: Neues Deutschland
Text: Larissa Schulz-Trieglaff
Datum: 04.05.01